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Überraschende Anforderungen

Überraschende Anforderungen

Am 02. Februar erhielten wir einen Brief von der South African Catholic Bishops Conference (SACBC). SACBC ist seit Jahren unsere größte Geberorganisation, die unseren Verein Tsibogang Christian Action Group derzeit mit mehr als R 50,000 pro Monat unterstützt. In dem Brief schrieben sie, dass ihre größte Geberorganisation Aurum Institute (eine amerikanische Hilfsorganisation) ihnen bedeutet habe, dass wenn sie nicht bis März 2018 100% ihrer Ziele erreichen, es keine weiteren Gelder von Aurum geben würde. Das beträfe insbesondere die Zahl der Waisenkinder und Pflegeeltern, die auf HIV getestet sein müssten. Deshalb forderte uns SACBC in ihrem Brief ultimativ auf sicherzustellen, dass wir bis zum 26. Februar 1166 Waisenkinder und 370 Pflegeeltern auf HIV getestet haben und dies in dem entsprechenden Computerprogramm vorschriftsmäßig dokumentiert ist. Sollten wir dieses Ziel nicht erreichen, würde es im März 2018 keinen neuen Vertrag und kein Geld mehr von SACBC geben.

In unserem Vertrag mit SACBC, den wir im Oktober 2017 unterzeichnet hatten ,war wohl von einer Gesamtzahl von 1285 Waisenkindern und vernachlässigten Kindern und von 420 Pflegeeltern die Rede, die wir mit unseren Diensten erreichen sollten, aber an keiner Stelle war von einer genauen Zahl derer die Rede, die auf HIV getestet sein müssten. Das Testen auf HIV ist nur einer der Dienste, die wir den Kindern und Erwachsenen geben. Andere Dienste sind Hausbesuche, Ernährungs- Beratung, Gewichtskontrolle, Tuberkulose Screening , Hausaufgabenhilfe, Unterricht zur HIV Prävention, Informationen gegen Kindsmisshandlung , gegen Stigma und Diskriminierung und gegen Vergewaltigungen. Auch Überweisungen zur Beantragung von Sozialhilfe und Kindergeld oder Überweisungen zur Behandlung von Gesundheitsproblemen gehören zu unseren Diensten.

In unserer schriftlichen Antwort auf den Brief wiesen wir darauf hin, dass wir es unfair fänden, dass uns erst jetzt – sozusagen in letzter Minute – genaue Vorschriften zur Zahl der auf HIV getesteten Kinder gemacht würden, aber wir rechneten damit, dass SACBC erwidern würde, dieser Druck käme nicht von ihnen, sondern vom Aurum Institute, die das Testen auf HIV als den wichtigsten Dienst ansehen.

So beriefen wir eilig eine Sitzung des Tlamelang Kommittees ein. In der Sitzung wurde beschlossen, dass wir trotz der Unfairness alles versuchen sollten, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Itsholeng Moepi, die das HIV Testen bei uns koordiniert, arbeitete einen Plan aus, demzufolge jeden Tag an einem oder sogar zwei Orten der neun Regionen unseres Projekts eine HIV Testing Kampagne durchgeführt werden sollte. Zu dem Zeitpunkt, als wir den Brief erhielten, hatten wir (seit Oktober 2017) erst 482 Kinder und 20 Erwachsene auf HIV getestet.

Es war eindrucksvoll zu sehen, wie alle unsere Mitarbeiter ihr Bestes gaben, die Pflegeeltern dazu zu bewegen, so kurzfristig ihre Einverständnis zum Testen ihrer Kinder und von ihnen selbst zu geben. Rekordergebnisse gab es besonders in Majemantsho (wo unserer Kindergarten und After School Project Rebaone ansässig ist) und in Welbedacht (wo unser After School Programm Emmanuel ansässig ist), wo jeweils über 100 Kinder getestet wurden. Zum Glück hatten in den Jahren 2016 und 2017 mehr als zwanzig unserer Care Givers ihren Kurs in HIV Testing abgeschlossen. Eine größere Herausforderung war es, so kurzfristig genügend HIV Test Kits zu bekommen. Wir erbaten sie von den Clinics, mit denen wir zusammenarbeiten.

Aber es ging ja nicht nur um das Testen selbst. Mindestens ebenso groß war die Herausforderung, die Ergebnisse in dem dafür vorgesehenen Computerprogramm vollständig zu erfassen. Dazu gehört ein Scannen der unterschriebenen Einverständniserklärungen. Nur Personen, die nicht bereits in den letzten sechs Monaten getestet worden waren, waren zugelassen und nur solche Kinder und Erwachsenen, die in unserem System ordnungsgemäß registriert waren, wurden gezählt. Das bereitete unserer Projekt Managerin Kesentseng Nanyane, die bei uns für Monitoring and Evaluation zuständig ist, schlaflose Nächte. Zum Glück half in den ersten drei Tagen ein dreiköpfiges Team vom SACBC mit, noch nicht vollständig registrierte Kinder in unserem Computerprogramm zu erfassen.

Am Nachmittag des 26.02. hatten wir insgesamt 1209 Kinder als getestet erfasst und 274 Erwachsene. D.h. in Bezug auf die Kinder hatten wir mehr als gefordert getestet, aber in Bezug auf die Erwachsenen hatten wir unser Ziel nicht erreicht. Viele der Erwachsenen gaben an, bereits anderswo auf HIV getestet worden zu sein und weigerten sich deshalb, sich nochmal testen zu lassen.

Dennoch zeigten sich die Mitarbeiter von SACBC beeindruckt von dem Einsatz unserer Mitarbeiter. Wir erhielten zunächst eine Verlängerung unseres Vertrags für den Monat April. Zurzeit sind die Verhandlungen über einen neuen längerfristigen Vertrag zwischen SACBC und Aurum noch immer im Gange, aber wir sind zuversichtlich, dass es auch für uns einen neuen Vertrag geben wird.

Wie immer man das Testen auf HIV von Kindern im großen Stil beurteilen mag, war diese ganze Aktion für unsere Mitarbeiter doch eine stärkende Erfahrung.

Wolfgang Hermann