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Praktikum in Südafrika

Praktikum in Südafrika

Liebe FreundInnen von Tsibogang !

Heute könnt ihr den letzten Post in diesem Jahr lesen. Darin berichtet Ruth Maria Kasper, unsere Praktikantin der vergangenen drei Monate. Sie ist inzwischen wieder in Deutschland. Wir danken Euch/Ihnen herzlich für alle Unterstützung, für alle Spenden, Gebete und Gedanken, die unsere in Arbeit in Tsibogang möglich gemacht haben. Wir wünschen Ihnen/Euch allen gesegnete Weihnachten und ein behütetes Jahr 2018. Wir sind sprachlos, dass trotz der Finanznot im Laufe des Jahres sogar noch Geld auf dem Tsibogang Konto ist und wir mit großer Zuversicht auf das neue Jahr zugehen können. Das haben wir Euch/Ihnen und Gott zu verdanken.

Christel & Wolfgang Hermann

Bericht von Ruth Maria Kasper

Die erste Frage, die die Leute mir hier stellen, wenn sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme ist: ,, Oh, so how do you like South Africa? Is it different to Germany?“ und meine Antwort ist dann immer:,, It is a total different world but I like it!“

Mein dreimonatiges Praktikum hier in Südafrika bei der Tsibogang Christian Action Group begann am 20. September und endet am 16. Dezember 2017. Drei Monate sind ein Vierteljahr, aber am Ende kam es mir vor wie zwei Wochen. Time is flying! Ich habe während der drei Monate mit Hermanns und Undine Rauter in der Kommunität in Mafikeng gewohnt und mich sehr wohl und behütet gefühlt. Es war ein gutes Gefühl an Tagen, an denen es mir einmal nicht so gut ging, an einen Ort zurückkehren zu können, an dem man sich sicher und aufgehoben fühlt.

Ich bin nach Südafrika gekommen, weil ich die Welt einmal aus einer anderen Perspektive sehen wollte und teilweise fand ich es erschreckend und es brachte mich zum Nachdenken, zu sehen, unter was für Bedingungen die Menschen auf den Dörfern leben. In Wellblechhütten oder in Zwei-Zimmer-Häusern mit einer sechsköpfigen Familie. Zum Teil ohne Wasser oder zeitweise ohne Strom. Unsere Standards in Deutschland (immer fließend heißes Wasser, Strom und eine gute Schulausbildung) sind für viele Leute hier Luxus. Teilweise hat es mich dann echt beschämt und mir ein schlechtes Gewissen bereitet von meinem privilegiertem Leben bei mir zu Hause in Deutschland zu erzählen.

Die meiste Zeit meines Südafrikaaufenthalts habe ich in einem der beiden Early Learning Centers von Tsibogang gearbeitet. Morgens bis vormittags fand dort der Kindergarten mit so momentan um die 30 Kindern statt, die dort Frühstück und Mittagessen bekommen und nach der Montessori Pädagogik betreut werden und auch schon die ersten Anfänge im Schreiben lernen.

Es war beeindruckend zu sehen, wie eigenständig und konzentriert die Kinder gearbeitet haben. Das Lernen mit allen Sinnen und die Förderung des eigenständigen Lernens und Entdeckens durch die Montessori Pädagogik ist wirklich sehr eindrücklich und tut den Kindern wirklich gut.

Wenn die kleinen Kinder mittags abgeholt wurden, kamen dann nach Schulschluss die Schulkinder zum After School Programm, wo wir mit ihnen Mathematikunterricht gemacht haben. Ich habe hauptsächlich die Fünftklässler unterrichtet (so um die 10 Kinder) und mit ihnen Multiplikation geübt. Die Freude der Schüler, als man ihnen dann sagte, dass sie die Aufgabe richtig gerechnet haben, war sehr berührend und man hat gesehen, dass sie durch ihren Erfolg dann richtig Spaß am Rechnen hatten. Aber es ist trotzdem erschreckend zu sehen, dass Fünft- und Sechstklässler die einfachsten 1×1 Aufgaben nicht im Kopf rechnen können, sondern mit den Fingern oder mit Strichen auf einem Schmierblatt rechnen.

selfie_kleinDie erste Oktoberwoche habe ich an dem Tsepanang Workshop für Peer educator teilgenommen, wo ich auch meinen Tswananamen „Tshegofatso“ bekam. Der Workshop war wirklich interessant, weil mir da anhand der Unterrichtsstunden und Geschichten, die dort unterrichtet und vorgestellt wurden, bewusst wurde, wie wichtig es ist, den Schülern Werte, Selfcontrol und -confidence zu vermitteln, weil Vergewaltigung, Teenage pregnancy und besonders HIV/Aids so ein großes Problem in Südafrika sind.

Es war für mich eine wichtige Erfahrung zu merken, dass die Leute hier ganz andere soziale Standards und Values, z.B. Privatsphäre oder der Wert von Gemeinschaft, und auch ein ganz anderes Familienverständnis haben als in Deutschland oder anderen westlichen Ländern. Auch sind die Leute viel offener und netter, die Männer manchmal ein bisschen zu nett, aber das Miteinander ist sehr viel herzlicher.

Aber man merkt doch auch immer noch, dass die Geschichte von Südafrika von Rassentrennung und dem Denken in Hautfarben geprägt ist und selbst nach über 20 Jahren Demokratie und Abschaffung der Apartheid gibt es leider immer noch große Unterschiede zwischen arm und reich und auch zwischen weiß und schwarz. Und es ist für einige doch immer noch komisch, wenn eine Weiße durchs Dorf geht oder mit einem der Sammeltaxis fährt. Weswegen es umso wichtiger ist sich über dieses Denken hinwegzusetzen.

Es war für mich eine unglaublich beeindruckende und bereichernde Zeit und Möglichkeit an der Kommunität und der Arbeit von Tsibogang teilhaben zu dürfen und zu sehen, wie wichtig und zukunftsweisend die Arbeit von Tsibogang und die werteorientierte Aufklärung und Präventionsarbeit über HIV ist.